SAXO BANK – Stop Loss Order & Margin Calls

kursschwankung-euro-franken Die dänische SAXO BANK hat ihre Kunden mit so genannten Margin Calls konfrontiert und fordert teils sehr hohe Nachschüsse. Darüber hinaus verloren zahlreiche Kunden bei Devisengeschäften teils ihr gesamtes eingesetztes Kapital. Auslöser waren die Kursschwankungen aufgrund der Entkopplung des Schweizer Franken vom Euro durch die SNB.
Rechtsanwalt Sochurek: "Bei der Ausführung von Stop Loss Orders im Zusammenhang mit Fremdwährungsgeschäften kam es zu erheblichen Unregelmäßigkeiten!" Es soll bei einer Vielzahl der betroffenen Kunden kurzfristig zu den erwarteten Gutschriften gekommen sein, allerdings soll die SAXO BANK dies nachträglich verändert haben. Rechtsanwalt Dr. Peres: "Die Orderausführungen wurden im Verlauf des 15.01.2015, insbesondere in den Abendstunden, zu Lasten der Kunden geändert“

Was sind Stop Loss Order & Margin Calls – was tun?

Eine Stop Loss Order dient eigentlich dem Zweck, eventuell zu erwartende Verluste durch Kursschwankungen in Grenzen zu halten. Derzeit fordert die SAXO BANK von vielen Kunden Nachschüsse bezüglich verschiedener Fremdwährungsgeschäfte ein. Kunden sehen sich teilweise erheblichen Nachschussforderungen, sog. Margin Calls ausgesetzt. Die Anwälte der Sozietät Peres& Partner empfehlen betroffenen Kunden der SAXO BANK sich durch spezialisierte und mit der betreffenden Materie vertrauten Anwälte beraten zu lassen.

Was sind die Hintergründe? SAXO BANK AGB wurden nur in englischer Sprache zu Verfügung gestellt

Die Dänische SAXO BANK A / S (nachfolgend „SAXO BANK“) ist eine in Dänemark ansässige Online Investmentbank. Zum Geschäftsmodell der SAXO BANK gehört es auch, sich gezielt an deutsche und österreichische Kunden zu wenden. Hierzu stellt die SAXO BANK dem betreffenden Kundenkreis sog. Kunden Antragsformulare in deutscher Sprache zur Verfügung. Eine Besonderheit der vorliegenden Geschäftspraxis besteht darin, dass die deutschen Kunden durch Ihre Unterschrift unter das Antragsformular erklären, die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (nachfolgend „AGB“) sowie weitere standardisierte Vertragsbestandteile gelesen und verstanden zu haben. Die AGB waren jedoch im Gegensatz zum übrigen Inhalt des Vertragswerkes in englischer Sprache abgefasst und wurden den Kunden auch nur in englischer Sprache zur Verfügung gestellt.

SAXO BANK AGB im Detail

In den AGB befindet sich unter Ziffer 30. „Governing Law and Jurisdiction“ eine Rechtswahlklausel, die im Falle von Auseinandersetzungen zwischen Bank und Kunde die Anwendung Dänischen Rechts vorsieht. Ebenfalls befindet sich in den AGB eine sogenannte Gerichtsstandvereinbarung, die eine ausschließliche Zuständigkeit des „Maritime & Commercial Court of Copenhagen“ vorsieht. Unter Ziffer 16 „Market Making“ behält die SAXO BANK sich das einseitige Recht vor, unter gewissen Voraussetzungen, ausgeführte Orders nachträglich abzuändern. Sowohl der Sachverhalt als auch die daraus folgende Rechtslage sind komplex. Die im Internet verfügbaren Quellen beschränken sich entsprechend auf oberflächliche Schilderungen und münden in den offensichtlichen Ratschlägen, wie etwa Ansprüche nicht anzuerkennen, angeblichen Ansprüchen der SAXO BANK zu widersprechen oder eine Spezialkanzlei zu beauftragen, um die Forderungen zu hinterfragen. Vor dem Hintergrund der Komplexität der Rechtsfragen und zur Stützung der eigenen Position in möglichen gerichtlichen Auseinandersetzungen beabsichtigt die Sozietät Peres & Partner ein universitäres Rechtsgutachten zu den maßgeblichen Fragen in Auftrag zu geben. Vorliegende Ausführungen sollen Kunden der SAXO BANK dazu dienen, sich mit den wichtigen Fragestellungen und den Antworten hierauf vertraut zu machen.

Wie ging die Bank vor? Wechselkurs Euro (EUR) Schweizer Franken (CHF)

Bekanntermaßen gab die Schweizer Notenbank (SNB) am 15.01.2015 die Stützung des Euro („EUR“) gegenüber dem Schweizer Franken („CHF“), für viele Marktteilnehmer überraschend, auf. Der Wechselkurs EUR/CHF fiel dann schnell von 1,20 bis auf ca. 0,90. Er pendelte sich dann kurz darauf im Bereich der Parität ein. Durch diesen rapiden Kursverfall wurden zahlreiche Stopp-Loss Orders zeitgleich ausgelöst, die augenscheinlich nicht ohne Unregelmäßigkeiten bei der SAXO BANK bewältigt werden konnten. Uns sind Fälle bekannt, in denen Orders von Kunden unmittelbar nach dem Kursverfall nahe des Stopp Loss als „executed“ in der dafür vorgesehenen Onlinemaske bestätigt wurden. Die Order schien also ausgeführt. Dies trug sich am Vormittag des 15.01.2015 zu. Am Abend des selben Tages wurde dann unter dem Stichwort „Item OpenPrice Modified“ eine „Anpassung“ der zuvor augenscheinlich bereits ausgeführten Orders vorgenommen. Die Konditionen der Orderausführung wurden nachträglich signifikant zu Lasten der Kunden verändert. Sie wurden also quasi rückwirkend auf eine nahezu paritätische Ausführung im Verhältnis EUR / CHF umgestellt, mit der Folge, dass die betroffenen Kunden signifikante Verluste erlitten. Konten, die bis dahin mit sechsstelligen Beträgen im Haben standen, „rutschten“ auf diese Weise mit teilweise sechsstelligen Beträgen ins Minus, was zahlreiche Margin Calls auslöste. Die SAXO BANK forderte ihre Kunden unter extrem enger Fristsetzung dazu auf, erhebliche Nachschüsse zu leisten, um die Unterdeckung auszugleichen und kündigte für den Fall der Nichtleistung an, Maßnahmen zu ergreifen, um den vermeintlichen Schuldbetrag einzufordern. Die Kunden hätten also unter dem Strich signifikante Kapitalverluste zu tragen und müssten zusätzlich noch erhebliche Nachschüsse leisten, obwohl ihnen noch am Morgen des 15.01.2015 die Ausführung der Order nahe des gesetzten Stopp Loss bestätigt worden war.

Fragen und Antworten

1. An welchem Gerichtsstand wären potentielle Auseinandersetzungen zu führen?

2. Nach welchem staatlichen Recht richten sich die möglichen Auseinandersetzungen?

3. Ist die Preisanpassungsklausel in Ziffer 16 der AGB wirksam?

4. Sollte aktiv vorgegangen werden oder Ansprüche passiv abgewehrt werden?

5. Was ist betroffenen Kunden der SAXO BANK anzuraten?


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